Tänze aus Bolivien

Unser Anliegen ist es, der ganzen Welt den Reichtum und die Vielfalt der bolivianischen Kultur und ihrer Tradition zu zeigen.
Bereits im Jahr 2001 erklärte die UNESCO den bolivianischen Karneval von Oruro mit seinen traditionellen Tänzen und Kostümen zum Weltkulturerbe.

Voller Stolz möchten wir daher dieses Erbe pflegen und noch bekannter machen. 

Wir präsentieren folgende bolivianischen Tänze:

CAPORALES

Die Familie Estrada Pacheco erfand und tanzte 1969 zum ersten Mal den Tanz Caporales mit der Folkloregruppe "Urus del Gran Poder". 
1972 wurde der Tanz dann auf dem "Gran Poder", einem Karnevalsumzug in La Paz, getanzt. 
Der Tanz wurde von den bolivianischen Tänzen "Saya Afroboliviana" und "Tundiquis" beeinflusst: 
Die Figur "der Caporal" repräsentiert den schwarzen Vorarbeiter, welcher damals die ebenfalls schwarzen Sklaven beaufsichtigte. Das ursprüngliche Design des Kostüms von dem Caporal erinnert an einen Vorarbeiter aus Coroico, welcher ein weißes Hemd, einige Schellen an den Stiefeln, eine Peitsche sowie einen großen Hut trug, um sich vor der Sonne auf den Plantagen zu schützen. 
Heutzutage sind charakteristisch für den Caporal die kniehohen Stiefel mit lauten Schellen, die akrobatische Sprünge und Drehungen sowie eine hohe Selbstsicherheit beim Tanzen, insbesondere beim gemeinsamen Tanz mit der "Caporalita". Sie ist das weibliche Pendant zum Caporal und strahlt Weiblichkeit und Eleganz durch ihre grazilen Bewegungen aus; gleichzeitig kokettiert sie auf hohen Schuhen und mit schwingenden kurzen Röckchen mit dem Caporal und dem Publikum. 
Der Tanz Caporales ist ein sehr fröhlicher und lebendiger Tanz, welcher sich auch über die Grenzen Boliviens hinaus große Anerkennung und Beliebtheit erfreut, insbesondere bei Jugendlichen. 

TOBAS

Während sich das Inkaimperium ausbreitete, stießen die Inka auf das Volk der Toba, einem furchtlosen Tieflandstamm in der Savanne des Chaco in Tarija und unterwarfen die Toba. 

 

Inspiriert von ihrer Agilität und ihrer Stärke, entstand der Tanz Tobas. 
Die Figuren des Tanzes repräsentieren die indigenen Kämpfer der Savanne Chaco und die des Dschungelgebiets an der Grenze zu Argentinien und Paraguay.  Somit werden auch andere bolivianischen Ethnien dieser Gebiete, wie bspw. die Chunchus  dargestellt. 
Die Kleidung ist keine Nachahmung der existierenden Ethnien, sondern Ausdruck der Stärke und Besonderheit, welche die Kunsthandwerker und Tänzer den kriegerischen Ethnien zuschreiben. 

 1916 wurde Tobas dann erstmals beim Karneval von Oruro getanzt. 

 

Der Tanz Tobas besticht durch dynamische Sprünge und die Agilität seiner Tänzer, deren Kostüme mit großem Federschmuck am Kopf sowie an Armen und Beinen beeindrucken. 

Der Mann wird als furchteinflößender Kämpfer dargestellt, die Frau hingegen als gefährliche Amazonin. 


TINKU

Der Tanz Tinku basiert auf dem namensgebenden Ritual Tinku, welches auf Quechua “Begegnung” bedeutet. 
In diesem Ritual bzw. der Zeremonie treffen auserwählte Dorfgemeinschaften jährlich am 2. und 3. Mai in Potosí aufeinander, um sich im Zweikampf mit Angehörigen der anderen Dörfer zu messen. 
Am ersten Abend wird getanzt und viel Chicha, ein alkoholisches Maisgetränk, konsumiert. 
Am zweiten Tag beginnen die Kämpfe. Hierbei werden feste Lederhelme, Handschuhe und Steinschleudern genutzt - solange bis Blut fließt, welches der Pachamama (Mutter Erde) geopfert wird, um eine erfolgreiche Ernte zu erbitten. 
Zudem herrschten die Gesamtsieger des Kampfes früher ein Jahr lang über den Zugang zum Fluss und damit zum kostbarem Wasser. Dies führte oft zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Dörfern, sodass es des Öfteren Tote gab, was Waisen und Rachegefühle hinterließ. Der Groll sowie weitere bestehende Streitigkeiten wurden im darauffolgenden Jahr beim Tinku erneut ausgetragen.

 

Der Tanz hat daher viele kämpferische Elemente, und die Tänzer tragen die fürs Ritual typischen Helme und Schleudern. Es ist ein energetischer und sehr farbenfroher Tanz, welcher von Männern sowie Frauen gleichermaßen kämpferisch getanzt wird. 


SAYA AFROBOLIVIANA 

Der Tanz Saya Afroboliviana entstand in den Yungas in Bolivien. Dort existiert heutzutage eine große afro- bolivianische Gemeinde, deren afrikanische Vorfahren sich während der Sklaverei in der Kolonialzeit dort niedergelassen hatten.

Die Saya entstand aus dem Widerstand der afro-bolivianischen Kultur gegen das Sklavensystem heraus. Musik, Tanz und vor allem der Gesang dienen als Kommunikationsmittel zum Kampf gegen (damals hauptsächlich auf politischer Ebene) Diskrimination, Rassismus und auch zur Wiederherstellung/Rückverknüpfung der kulturellen Identität.

Der Tanz wird hauptsächlich von Afro-Gemeinschaften getanzt, erfreut sich jedoch immer größerer Popularität und wird daher heutzutage auch von Menschen nicht afrikanischer Herkunft getanzt.

Der Rhythmus der Saya ist schnell und lebendig; die Musik basiert auf Perkussionsinstrumenten und wird von Frauen- und Männerchören begleitet.

Auffällig ist die Kleidung: Als Basis der Männer sowie Frauentracht dient die Farbe weiß, welche die Reinheit symbolisiert. Gleichzeitig sind die Kostüme mit kunderbunten Farbbändern bestickt, welche die  Lebensfreude und Plurikulturalität darstellen. Dennoch dominiert die Farbe rot in den Tüchern, Gürteln und Mäntel, welche an die roten Blutstreifen der Ahnen erinnern soll. 
Die Brücke zum bolivianischen Teil der Gemeinschaft entsteht durch das Nutzen der für La Paz typischen schwarzen Melonen Hüte, sowie der weiten Röcke und Bluse der typischen bolivianischen Cholitas - es enstand die afrobolivianische Cholita.

 

Im Jahr 1969 schufen die Brüder Estrada Pacheco einen weiteren bolivianischen Tanz namens Caporales, der von der Saya inspiriert wurde. Heutzutage wird der Caporales außerhalb Boliviens daher fälschlicherweise Saya genannt; In Bolivien unterscheidet man jedoch zwischen beiden Tänzen:

Saya ist die Saya Afroboliviana und nicht Caporales, auch wenn dieser in ihr seinen Ursprung fand.

MORENADA

Die Morenada zeichnet sich vor allem durch den Reichtum und die Detailverliebtheit der Kostüme aus, welcher sich aus seinem traurigen Geschichtlichen Kontext ableitet. Er zeigt  den Prunk der Kolonialherren und zeitgleich die Ausbeutung und Unterdrückung der afrikanischen Sklaven.

In der Kolonialzeit wurden Sklaven aus Angola, Guinea und dem Kongogebiet nach Bolivien verschleppt, um in den Silberbergwerken Potosis zu arbeiten. Dort trieb man sie aneinandergekettet in Gruppen zu den Silberminen Potosis; jedoch konnten sie sich nicht an das Klima der Hochebene gewöhnen, sodass sie als Plantagenarbeiter in den Tälern der Yungas landeten. Dort entstand die größte Afro-bolivianische Community und mit ihr der Tanz Saya.

 Die Morenada entwickelte sich dann in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit von Spanien (1825) und wird durch den Rey Moreno, den schwarzen König, angeführt. Die Morenada hieß Ursprünglich “Danza de los Morenos” - Tanz der Dunkelhäutigen.

Die Kostüme der Männer, welche ursprünglich schwarze Masken als Symbol der Sklaverei trugen, wiegen teilweise 30 Kg; welche die Tänzer die Schwere und Traurigkeit der Sklaverei nachempfinden lassen soll. Gleichzeitig erinnert der schwere Gang der Tänzer und das Rasseln der “Matracas” an die Sklavenketten.

 

Die Cholas, Frauen in langen Röcken, begleiteten den Moreno von Beginn an. Die Figura, heutzutage hauptsächlich von jungen, schönen Frauen getanzt, kamen jedoch erst in den 1960er Jahren dazu und wurde zunächst, wie zu Beginn auch die Chola, von Männern getanzt. Die Röcke der Cholas wurden immer kürzer, die Stiefel dafür umso länger. Einige bolivianische LGBTQ-Ikonen wie bspw. Barbarella hatten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Kostüme der Figuras.
Heutzutage ist gerade diese Figur, mit ihren extravaganten, pompösen und sehr körperbetonenden Kostümen eine der beliebtesten Figuren des Karnevals, und sprach im Laufe der Jahre immer mehr junge Frauen der Ober- und Mittelschicht an, welche sonst keinen Bezug zu Folkloretänzen hatten. 


Bolivien deklarierte die Morenada im Jahr 2014 als immaterielles Kulturerbe und ernannte den 7. September zum Nationalen Tag des Tanzes der Morenada.


DIABLADA

Bei der Diablada handelt es sich um einen prächtigen Tanz des bolivianischen  Hochlandes, welcher auch für die Tradition des Karnevals von Oruro steht,  der 2001 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.


Die Diablada entstand während der Kolonialzeit, als die Indio-Bevölkerung in  den Minen Zwangsarbeit verrichten mußte. 

Dabei kam es zu einer Verschmelzung  der andinen Weltanschauung, repräsentiert durch den Kult um den bösen, Supay  ' und dem Gott der Berge, genannt ,Huari' sowie dem Teufel der christlichen  Liturgie.  


Als Ausgleich für die Leiden der Bergleute huldigten sie respektvoll ,Huari', welcher später zum ,Tio', zum Herr der Höhlen umgedeutet wurde, verehrten aber gleichzeitig auch der Virgen del Socavón. 

Einer Sage nach sollten die Ureinwohner Oruros (die Urus) von ,Huari' wegen  ihres degenerativen Lebenswandels vernichtet werden, indem er Ihnen den  Frosch, die Schlange, die Echse sowie ein Heer von Ameisen schickte. 

 

Nur durch den Beistand der jungfräulichen Göttin ,Ñusta' wurden die Urus gerettet. Sie verwandelte den Frosch, die Schlange und Echse in Steine und das Ameisenheer in Sanddünen rund um die Stadt Oruro. 

Der Legende nach  flüchtete der besiegte ,Huari' endgültig ins Innere der Berge zu den reichen Mineralien, um nie wieder hervorzukommen.


Im Verlauf des 19.Jahrhunderts wurde ,Ñusta' immer stärker mit der heiligen  Jungfrau Maria vermischt, was auch die starke Marienverehrung (z.B. Virgen  del Socavón) erklärt.
 

CARNAVALITO


Der Carnavalito ist ein typischer Tanz des Departements Santa Cruz, der in der Hitze des Huayño valluno und der traditionellen spanischen Jota während der Dämmerung des Kolonialismus und des 19. Jahrhunderts entstand. Im Osten kündigt der Carnavalito die Ankunft des Karnevals an und bildet den Abschluss der Feierlichkeiten nach dem ersten Freitag der Osterzeit.

 

Seine Bedeutung ist nicht nur festlich; seine Texte waren in der Regel alte gereimte Kompositionen, die traditionelle Lehren und Geschichten von Liebenden enthielten.

 

Wie in Santa Cruz, Beni und Pando üblich, tragen die Frauen, die einen Carnavalito tanzen, ein farbenfrohes Tipoy (langes Kleid ohne Kragen und Ärmel) und tragen Sommerblumen im Haar. 

Das Kostüm der Männer besteht aus einem weißen Hemd, einer fast bis zu den Knöcheln reichenden Hose, einem Schal und einem "Sao-Hut".

 

In seinen Bewegungen erinnert der Tanz an einen europäischen Walzer, im Rhythmus ähnelt er jedoch eher dem Taquirari und dem Bailecito.

 

Seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts werden die Carnavalitos von Musikkapellen, den Buris, getanzt; der gleiche Wandel vollzog sich beim Taquirari, der zuvor nur mit der kreolischen Gitarre gespielt wurde.

 

Versionen dieses Tanzes und seiner lebhaften Musik findet man auch in den Provinzen Chuquisaca, Cochabamba, Tarija und in den Gemeinden von Vallegrande (Santa Cruz).